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Mehr Durchblick mit besseren Daten

Daten und Analysen

Smart Window: Zukunftsfähiger Fensterbau — Teil 4: Analysis

Was soll Ressourceneffizienz schon bringen?

In meiner Zeit bei DEKRA haben wir für Energieeffizienzprojekte geworben: da spart man schnell 10.000 Euro im Jahr, erklärten wir stolz. Der Renner war es offen gestanden dennoch nicht. Wenn wir jetzt mit Materialeffizienz kommen, klingt das nicht eben aufregender. Dabei hätten gerade mittelständische Unternehmen Nachholbedarf, betont Gerald Feigenbutz, Geschäftsführer der RAL-Gütegemeinschaft Kunststoff-Fensterprofilsysteme e.V. (GKFP):

»Die durch digitalisierte Prozesse einfachere Einbeziehung von Energie- und Materialeffizienz in die betriebliche Gütesicherung ermöglicht auch kleinen und mittleren Unternehmen, von entsprechenden Einsparungen zu profitieren. Bisher haben eher große Unternehmen dank besserer personeller und finanzieller Ausstattung Effizienzgewinne realisiert.«

Im letzten Beitrag haben wir die Frage aufgeworfen, ob denn überhaupt Daten verfügbar sind, ob sie genutzt werden und ob aus den Informationen gelernt wird. Das ist nicht nur bei der Entwicklung neuer Strategien und Geschäftsmodelle wichtig, sondern gilt ebenso für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durch Ressourceneffizienz. Aber mit einem Einsparpotenzial von 10.000 Euro werden wir da sicher wenig Aufmerksamkeit bekommen. Es ist an der Zeit, die richtigen Analysen zu fahren und zukunftsweisende Schlussfolgerungen zu ziehen.

Am besten unter Verschluss halten …?

Die Grundlage aller Prozesse in Unternehmen und zwischen Unternehmen sind Stammdaten: Ob Informationen zu Kunden und Lieferanten oder Stücklisten und Rezepturen, sie sind ausschlaggebend für den Unternehmenserfolg und daher hochsensibel. Bewegungsdaten sind demgegenüber dynamisch: Sie beschreiben das Kundenverhalten, Maschinenleistungen oder Bestandsveränderungen im Warenwirtschaftssystem. Deswegen sind sie nicht weniger schützenswert. Wenn also die Gütegemeinschaft Kunststoff-Fensterprofilsysteme derzeit den Dialog in der Branche insbesondere in Bezug auf Schnittstellen und Datenaustausch fördert, ist die Zurückhaltung vieler Beteiligter verständlich. Und doch führt kein Weg daran vorbei, Daten auszutauschen und vor allem miteinander zu verknüpfen. Sowohl die richtigen Analysen als auch das Lernen für neue Geschäftsmodelle und Strategien hängen davon ab.

Wie wichtig das ist, will ich am Beispiel der Einsparpotenziale verdeutlichen. Weithin verbreitet ist die Annahme, die betrieblichen Prozesse seien schon weitgehend optimiert, das verbleibende Einsparpotenzial wäre also gering oder kaum zu heben. Die Erfahrung mit der Energieeffizienz scheint dies zu belegen. Doch wie so oft weicht die geläufige Einschätzung vom tatsächlichen Handlungsbedarf ab. Tatsächlich eröffnen die Einsparpotenziale den Gestaltungsspielraum für die Zukunftsfähigkeit, wenn wir sie entdecken und nutzen.

Da geht noch was!

Dass gerade die Materialkosten attraktive Einsparpotenziale bieten, zeigt der VDI für das verarbeitende Gewerbe auf (Schebek et al. 2017). Danach sind die Kosten für Materialaufwendungen mit rund 43 Prozent der mit Abstand größte Kostenblock. Die Kosten für Personal betragen nur knapp 19 Prozent, die für Energie weniger als 2 Prozent der Herstellkosten. Mit der Energieeffizienz haben wir also am falschen Hebel angesetzt.

Sehen wir uns das am fiktiven Beispiel eines mittelständischen Fensterbauers an. In der Mulde im Hof liegen Profilabschnitte und Ausschuss. Doch die Entsorgungskosten von 10.000 Euro im Jahr sind nicht wirklich der Rede wert. Anders sieht die Bewertung allerdings aus, wenn man diesen Abfall als ein „Nebenprodukt“ betrachtet. Der Unternehmer hat Werkstoffe und Vorprodukte „für die Mulde“ eingekauft und verarbeitet: mit Einkaufspreisen und Arbeitskosten eingerechnet, ergibt sich bereits ein Einsparpotenzial von 300.000 EUR – rund 5 Prozent der gesamten Herstellkosten. Wenn in der Mulde auch Beschläge liegen, auf deren Lieferung der Fensterbauer bei der derzeitigen Auftragslage wochenlang warten musste, ist der Handlungsbedarf klar. Vielleicht müsste jedes zehnte Stück im Wareneingang gar nicht erst gekauft werden?

Diese erste Input-Output-Analyse mag trivial erscheinen: Die Betriebsbilanz und eine Frage im Einkauf genügt. Dennoch gibt es die besagte Mulde in vielen Betrieben. Zu vermeiden, dass sie sich füllt, ist vielleicht nicht ganz so einfach. Aber wenn man erst einmal nach den Gründen für Ausschuss fragt, fallen den Mitarbeitern stets Lösungsansätze ein. Wenn wir nun also einen dieser Mitarbeiter zwei Monate lang Arbeitszeit auf die Verbesserung der Abläufe verwenden lassen, ist die Einsparung durch Energieeffizienz bereits futsch. Die durch Materialeffizienz ermöglichte Einsparung hingegen rechnet sich ganz klar.

Eben dieses Prozesswissen des Mitarbeiters ist unerlässlich, um über den oberflächlichen Befund hinauszukommen. Das gilt insbesondere dann, wenn sich die Abläufe verändern sollen. Sagen wir, durch eine neue Produktlinie Smart Window steigt die Komplexität der Bearbeitung um die Hälfte. Die zeitaufwändigere Montage – neuartige Beschläge und kleinere Losgrößen – steigert die Herstellkosten um fünf bis zehn Prozent. Das wäre über das Einsparpotenzial zumindest gegenfinanziert.

Zugleich könnte sich der Produktmanager fragen, ob das Produktportfolio nicht ohnehin neu ausgerichtet werden soll: Anstelle der leichten Einflügler von der Stange könnte man sich auf den Sonderbau schwergewichtiger Elemente konzentrieren. Wegen des höheren Materialkostenanteils schlägt hier die höhere Komplexität weniger zu Buche. Der Personal- und Prozesskostenanteil sinkt um ein Viertel. Zudem sind die Marktpreise für den Sonderbau stabiler als bei der im Baumarkt erhältlichen Massenware.

Um mit hochwertigen Sonderanfertigungen im Objektgeschäft zu punkten, wird oft eine Umweltdeklaration benötigt. Der Architekt fragt nach einer solchen EPD, die u.a. den CO2-Fußabdruck ausweist. Ein gutes Drittel dieses Wertes geht auf das Konto des PVC-Profils. In der gleichen Größenordnung liegt das Isolierglas: Maßnahmen, die die Glasbruchrate verringern, erschließen also erhebliches Verbesserungspotenzial. Wenn zur Herstellung des Rahmens 50 Prozent PVC-Rezyklat anstelle von Neuware eingesetzt werden, lässt sich ebenfalls eine deutliche Einsparung erzielen. Und dieselbe Verringerung ergäbe sich auch, wenn die Stahleinlagen weggelassen werden könnten. Das Ökodesign des Fensters verlangt dann jedoch komplett neue Lösungen bei Konstruktion und Fertigung, die wiederum Aufwand und neue Chancen mit sich bringen.

Lösung mit EcoChain

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EcoChain bringt Transparenz in die Ressourceneffizienz von Produktion und Produktportfolio:

  • Besichtigung und Erläuterung des Tools per Webkonferenz kostenlos und unverbindlich.
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  • Basis-Version (Ökobilanz, auch Lieferantenanfrage) kostenlos.
  • Vertiefende Analysen der Kosten und Umweltaspekte als Abo mit Preisstaffel.

Von Daten zum Wissen

Daten bergen weitaus mehr Informationen, wenn man sie miteinander verknüpft: innerbetrieblich und auch überbetrieblich, beispielsweise in der Zusammenarbeit mit dem Systemhaus für die Profiloptimierung und mit dem Architekten für die Planung nachhaltiger Gebäude. Dabei spiegeln neue Kennzahlen wie der CO2-Fußabdruck als Maß der Ressourcenknappheit und die Ökoeffizienz als umweltbezogene Rentabilität die Herausforderungen unserer Zeit und die veränderten Kundenwünsche wider. Aus Informationen wird jedoch erst Wissen, wenn die Mitarbeiter des Unternehmens ihre Expertise einbringen und neue Lösungen finden.

Eine entscheidende Voraussetzung dafür sind weiterentwickelte Gütekriterien. Sie legen fest, welche Produkteigenschaften bedeutsam sind, wie sie geprüft und gemessen werden. Ähnlich wie in der Buchhaltung die Generally Accepted Accounting Principles (GAAP) zur Verständigung und Zusammenarbeit beigetragen haben, etablieren sich neue Kennzahlen zur Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit über Normen und Gütesicherung quer durch die Industriezweige. Sie ermöglichen gründlichere Analysen, auf deren Grundlage auch andere Unternehmen mehr Ressourceneffizienz durch Digitalisierung erfolgreich umsetzen. Einige von ihnen, wie WETROPA, sind Kunststoffverarbeiter, andere kommen aus ganz anderen Branchen – doch aus all diesen Beispielen lassen sich Anregungen gewinnen. Gerade der branchenübergreifende Austausch von Lösungsstrategien lohnt sich. Denn oft wurde in einem benachbarten Bereich bereits eine Lösung gefunden, die das eigene Unternehmen voranbringen kann.

Literatur

Übersicht der Serie

Die zehnteilige Artikelserie Smart Window: Zukunftsfähiger Fensterbau wendet die Themen der FOM-Vorlesung Führung & Nachhaltigkeit auf den Fensterbau an. Sie richtet sich daher zum einen an Führungskräfte in Unternehmen des mittelständischen Fensterbaus, die sich für nachhaltige Unternehmensführung und das Innovationsforum Smart Window interessieren; zum anderen an berufsbegleitend Studierende, die Anwendungsbeispiele für die Lehrinhalte suchen. Hier die Übersicht der bisher veröffentlichten Themen:
Teil 1: Leadership – Bei guter Führung … bloß nicht vorzeitig entlassen!
Teil 2: Principles – Prinzipientreu und doch wandelwillig
Teil 3: Compass – Gute Aussichten durch smarte Fenster
Teil 4: Analysis – Mehr Durchblick mit besseren Daten
Teil 5: Controlling – Grüner Controlletti
Teil 6: Accountability – Antworten für Morgen
Teil 7: Power
Teil 8: Diversity
Teil 9: Ethics
Teil 10: New Economy
/* Original-Code Post Header Metadata
Datum: Jun 22Autor: Ivo Mersiowsky
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